TalentStory #2

Vom (fast) Profi-Fußballer zum Tech-Genie…

“Wenn ich groß bin, werde ich Profi-Fußballer!”

Das war mein Zukunftswunsch, an dem ich bis Anfang 20 stark festgehalten habe. Die Chancen standen gar nicht mal so schlecht: In der Jugend habe ich bei einem Profi-Verein in Nordrhein-Westfalen gespielt, Mario Götze war mein Teamkamerad. Nach dem Abitur habe ich einen Amateurvertrag bei einem ambitionierten Verein in der Nähe von Paderborn bekommen. Wer Paderborn nicht kennt: Es handelt sich dabei um eine schöne Kleinstadt mit eigener Universität. Dort habe ich mich – aus einem mir bis heute unerfindlichen Grund – für Wirtschaftsingenieurwesen eingeschrieben. Wie Ihr Euch vorstellen könnt, habe ich aber nicht unbedingt viel Zeit und Energie in das Studium gesteckt, denn ich wollte ja immer noch Profi-Fußballer werden. Irgendwann wurden mir die Augen geöffnet und ich habe direkt der harten Realität ins Auge geblickt: Das wird nichts mit dem Profi-Fußball. Dafür gab es verschiedene Gründe. Die folgenden Monate waren eine lehrreiche und harte Zeit, denn immerhin hatte sich mein bisheriges Leben um den Fußball gedreht, ich hatte all meine Zeit und Hoffnung in dieses runde Leder investiert.

Und dann kam das Pflichtpraktikum während des Studiums: ein entscheidender Wendepunkt für mich. Während dieser Zeit bin ich zum ersten Mal damit in Berührung gekommen, welchen Einfluss Technologie auf ein gesamtes Unternehmen haben kann. Ich war bei einem Automobilhersteller und habe gemerkt, dass ich mit wenig Ressourcen einen extrem großen Impact habe, in dem ich Datenbanken programmiere und Prozesse optimiere. Eine kurze Anekdote: Bis dato war der Wareneingang eines Lagers noch nicht digitalisiert, was zur Folge hatte, dass bei Engpässen in der Produktion die hohen Manager selbst durch die Paloxen durchgegangen sind, um die Verfügbarkeiten der Halbfabrikate zu prüfen. Eigentlich unvorstellbar! Diesen Wareneingang haben wir dann beispielsweise digitalisiert und somit Transparenz geschaffen.

Wie Ihr merkt: Die Technologie hatte mich – ich war hin und weg. Und ich habe für mich gemerkt “In diesem Bereich will ich was machen!” Und dann habe ich direkt zwei Sachen gemacht: 1. Ich habe ein IT Consulting und Infrastruktur Unternehmen gegründet, das mittlerweile einen siebenstelligen Umsatz macht, quasi schon ein mittelständisches Unternehmen. (Ich bin nicht mehr operativ tätig, sondern habe eine strategische Rolle und Anteilseigner).

2. Als vierköpfiges Team wollten wir ein Problem lösen, das wir selbst während des Studiums hatten: Wir haben in der Uni nicht die Leute gefunden, mit denen wir gut lernen konnten. Wir haben ein MVP (Minimum Viable Product) gebaut – und sind damit gescheitert. Es hat einfach nicht geklappt.

Wenn ich aber eine Sache aus dem Fußball gelernt habe, dann ist es die:

Sobald Du ein Gegentor kassierst, darfst Du nicht aufgeben. Du musst härter kämpfen als zuvor.

Wie Du siehst, bin ich äußerst ehrgeizig und zum zum Teil motivierter, wenn etwas nicht funktioniert.

Wir standen also da mit unserer gescheiterten Idee – und dann kam Jodel auf. Die Idee der anonymen Interaktion gefiel uns, wir wollten eine Art “Slack für Studenten” bauen. Diesmal hat es auch geklappt! Mit diesem Produkt haben wir an einem Accelerator-Programm teilgenommen und haben uns mit den Fragen der Skalierung und Positionierung beschäftigt. 

Während des Programms haben wir die künftigen Käufer unserer Idee kennengelernt, 2017 haben wir dann auch erfolgreich verkauft. Damals war ich 24 Jahre alt und durch den Verkauf nutzen über eine Millionen Studierende zu diesem Zeitpunkt unsere Applikation, die von uns gebaut wurde.

Ich hatte also zweimal gegründet, einmal erfolgreich verkauft… und habe mich entschieden, mir die Konzernwelt im Technologiebereich während eines Praktikums anzuschauen. Das war eine rein rationale Entscheidung aus zweierlei Gründen: 1. Ich wollte mir ein Fall Back aufbauen, denn als Gründer lebt man immer mit einer gewissen Unsicherheit. Außerdem hatte ich bislang keine großen Namen auf meinem CV, meine Noten waren wegen den Gründungen mehr schlecht als recht und außerdem hatte ich an der Uni Paderborn studiert, die neben Hochschulen wieder WHU einfach nicht so richtig punkten kann. 2. Ich wollte lernen. Die Mobility-Branche hat mich extrem interessiert, denn dort werden neue Business-Bereiche mit Hilfe von Technologie aufgebaut. Und ich wollte mich mit guten Leuten vernetzen. Kurzes Resümee der Zeit: Ich habe es mir anders (und inspirierender) vorgestellt.

Deutlich inspirierender war dann aber mein Studium an der Technischen Hochschule Universität in Hamburg. Richtig gute Leute, die man dort trifft, mit richtig vielen guten Ideen. Die habe ich am Anfang leider etwas zunichte gemacht, da ich geprägt durch die Gründungen sehr analytisch an die Dinge herangegangen bin. 

Und dann wollte ich noch was Neues kennenlernen: die schwarze Seite der Macht bzw. die Welt des Venture Capitals (kurz: VC). Insgesamt interessierte ich mich für die Startup Welt, ich wollte Kontakte knüpfen und wissen, wie VCs auf Startups schauen, worauf als Erstes bei einem Pitchdeck geschaut wird, wie Bewertungen festgelegt werden etc.

Also habe ich ein Praktikum bei einem Venture Capital-Zweig eines Unternehmens gemacht gemacht und war dort von unfassbar guten Leuten umgeben. In dieser Zeit habe ich extrem schnell extrem viel gelernt – und habe eines meiner bisherigen Highlights erlebt: Ihr erinnert Euch daran, dass wir unser Startup verkauft hatten. Eines Tages habe ich mitbekommen, dass das Unternehmen, bei dem ich gearbeitet habe, genau diese Company kaufen will, an die wir unser Startups verkauft haben. Der Markt war mir ja bestens bekannt, deshalb habe ich bei der Analyse vorbereitet, um mein Startups “zurückzukaufen”. Mein Gedanke damals: Wow, das ist krass!

Das war Anfang 2019. Und jetzt ein kleiner Zeitsprung auf den heutigen Tag: Momentan schreibe ich meine Masterarbeit, eine Analyse über Investment-Daten, um die Performance von VCs messen zu können. Meine Vision dabei: Wenn ich mich nach dem Studium bewerbe, kann ich eine individuelle Analyse für den jeweiligen VC mitschicken, sozusagen als Bewerbungsgoodie!

Da ich beide Seiten kennengelernt habe, möchte ich gerne meine Top 5 Rules of Success teilen – zum einen für alle, die selbst gerne gründen möchten, und zum anderen für alle, die sich bei einem VC bewerben wollen: 

Top 5 Rules of Success für Talente, die gründen wollen:

1. Entscheide immer mit einem Maß zwischen Analyse und Bauchgefühl.

2. Baue Dir das richtige Team auf, das auch auf zwischenmenschlicher Ebene harmoniert.

3. Geh mit Deiner Idee raus und sprich mit möglichst vielen Menschen aus vielen Branchen für Insights.

4. Bereite Dich darauf vor, dass es schief gehen kann. Eine Art Fall Back gibt Dir etwas Sicherheit und Entspannung.

5. Lerne schnell, arbeite mehr als andere, schreibe eine Mail mehr.

 

Top 5 Rules of Success für Talente, die im VC-Bereich arbeiten wollen:

 1. Mache Dich mit der Terminologie und Tools vertraut: “Was ist ein Virtual Stock Options? Was sind die typischen KPIs für verschiedene Branchen? Welche Bewertungsverfahren gibt es?” etc.

2. Schau Dir die typischen Werdegänge von erfolgreichen VC (z.B. bei LinkedIn) an. 

3. Suche Dir bei Crunchbase einen Case und bewerte ihn qualitativ und quantitativ, um die Mechanik kennenzulernen.

4. Informiere Dich über aktuelle Geschehnisse in der Branche (bspw. bei Techcrunch, Crunchbase, Gründerszene, …).

5. Wenn möglich, mache ein Praktikum in einem Startup – oder gründe selbst. Beide Seiten zu kennen, hilft enorm.