TalentStory #1

Ein Developer erzählt…

Mein Weg vom Amt in den Mittelstand und dann der Sprung ins Startup


Ich (28 Jahre alt), Developer, schreibe diese Zeilen gerade aus meinem abgedunkelten Zimmer – neben mir liegt keine Tüte Chips und es stehen keine leeren Cola-Flaschen rum, no worries!
Worüber ich heute schreiben will: über meinen bisherigen Arbeitsweg. Denn in den letzten Jahren war bei drei komplett verschiedenen Arbeitgebern angestellt. Unterschiedlicher können sie nicht sein: vom Amt über den Mittelstand bis hin zum Startup.
Aber alles der Reihe nach.

Ich war noch einer der Jahrgänge, der in der 13. Klasse Abitur gemacht hat. In der Oberstufe wurden wir alle schon etwas unruhig, wie es weitergeht. Vordergründig waren wir aber doch eher damit beschäftigt, das Abitur überhaupt zu bestehen. Ich wusste, ich will was mit Informationstechnologie machen – also diesen nerdigen Kram. Und zusätzlich kannte ich mich dann auch so gut, dass ich wusste: Ich bin faul.

Wie der Zufall dann aber so wollte, gab es in bei mir in der Nähe (Norddeutschland) eine Jobmesse. Dort konnte man einen Slot mit einem Unternehmen buchen – quasi als Speed Dating. Welchen Stand fand ich damals am besten? Richtig, den vom Kraftfahrt-Bundesamt – obviously. Der Grund war tatsächlich recht eindeutig, denn sie hatten ihre Azubis dabei, die berichtet haben, wie ihr Arbeitsalltag aussieht. Super spannend und auch super ehrlich, denn sie waren nicht viel älter als ich. Dann ging alles ganz schnell, ich habe ein Praktikum gemacht, fand’s gut, habe das Assessment Center bestanden (was übrigens nicht so schlimm ist, wie man denkt) und einige Monate später hat mein duales Studium als Wirtschaftsinformatiker begonnen.


Und ich habe eine neue Welt kennengelernt: die Arbeitswelt. Für mich ein willkommener Wechsel zwischen den Uni-Blöcken, die recht theoretisch waren. Die Strukturen und vordefinierten Abläufe im Amt waren für mich am Anfang unfassbar hilfreich, um mich zurecht zu finden. Alles ist klar definiert, alles hat Regeln. Für jemanden, der zum ersten Mal ins Arbeitsleben eintaucht, hilft es enorm, in vorgelebte Strukturen zu kommen.

Quasi erstmal Laufen lernen, bevor’s dann in die Marathon-Vorbereitung geht.

Der Marathon bestand dann aus einem Jobwechsel, siebenstelligen Jahresumsätzen, Office zentral in Eppendorf, 60 Angestellten und einem Exit an eine Mediengruppe. Doch wie kam es überhaupt zu diesem Marathon? Zwei Jahre nachdem ich mein Studium beendet hatte, wollte ich wieder was Neues. Wie schon einige Jahre zuvor dachte ich mir: Ab auf die Jobmesse! (Ihr merkt, ich hab’s mit diesen Messen…)

Dort habe ich dann eine Personalvermittlungsagentur kennengelernt, meine Kontaktdaten und meinen CV hingeschickt und habe gewartet, was diese Agentur mir wohl für Angebote weiterleiten würde. Achtung: Man darf bei dieser Art des Jobwechsels kein Problem damit haben, seine Daten weiterzugeben und das Ruder ein wenig aus der Hand zu geben. 3 Monate und 6 Gespräche später war es dann soweit – mein erster Jobwechsel stand an.

Was bei meiner Wahl eine entscheidende Rolle gespielt hat: passendes Gehalt, Büroräume zum Wohlfühlen, ein nettes und offenes Team und das HVV Ticket 😉 Gleitzeit (für mich als Langschläfer ein Traum), ein Daily Meeting in der Abteilung, gemeinsames Kochen in der Mittagspause, das hat nun meinen Arbeitsalltag geprägt. Ein sehr familiärer Mittelständler, muss ich schon sagen. Vor allem die Teamstruktur und der Zusammenhalt hat mir extrem gefallen. Aber auch dort habe ich nach 1,5 Jahren für mich entschieden, weiterzuziehen. Diesmal bin ich auf keine Jobmesse gegangen, das sogenannte Vitamin B hat mir geholfen. Ich persönlich finde die Definition etwas negativ belastet, im Endeffekt geht es darum, dass Du mit Hilfe Deines Netzwerks an einen neuen Job kommst.

Und so bin ich in einem Startup gelandet. ALLE sind remote unterwegs, das bedeutet, wir arbeiten in ganz Deutschland verteilt. Wir sprechen jeden Tag über Skype, können unseren Arbeitstag komplett selbst und frei einteilen (nur das Daily Meeting ist Pflicht). Für mich tatsächlich gerade das perfekte Model. Der Startup Spirit ist inspirierend, man denkt deutlich mehr mit, denn die ganzen Prozesse müssen ja erst noch entstehen. Und man bekommt echt viel Verantwortung. Das darf Dich aber natürlich nicht stressen, sondern Du musst es als Chance sehen, über Dich hinauswachsen zu können. Das war’s – vom Amt in den Mittelstand und jetzt beim Startup. Real quick.

Und was ist für wen denn jetzt geeignet? Das Amt hat Struktur, Ordnung und Regeln. Für den Anfang gut, wenn Du diese Strukturen erst einmal kennenlernen musst. Der Mittelstand ist ganz eindeutig die goldene Mitte. Struktur ist da, und wer etwas bewegen will, kann dies hier auch tun. Es sind nur einige Anstrengungen mehr erforderlich. Startup = mehr Gestaltungsspielraum, mehr Verantwortung, mehr Überstunden.

Meine 5 Tipps für Leute, die gerade auf der Suche nach einem neuen Job sind: 1. Überlege Dir, was Du von Deinem Arbeitgeber willst und was Dir besonders wichtig ist. So gehst Du besser bei der Suche vor. 2. Wenn Du weißt, was Du willst, kümmere Dich frühzeitig darum, damit alles so klappt, wie Du es Dir vorstellst. 3. Geh auf Unternehmen zu und mach erst einmal ein Praktikum, um Dir das Arbeitsumfeld genauer anzuschauen. 4. Beim Bewerbungsgespräch: Frage, ob Du Deine potenziell neuen Kollegen schon mal kennenlernen darfst und lass Dir Prozesse zeigen, ohne dass Interna verraten werden müssen. Natürlich nur, wenn es die Situation hergibt. 5. Entscheide Dich für das, was IM MOMENT passt. Es ist keine Schande, auch mal den Job zu wechseln. (Vor allem, wenn man Mitte 20 ist.)